Quo vadis FC Basel? Ein düsterer Ausblick auf nächste Saison

Diskussionen rund um den FCB.
Brunold81
Erfahrener Benutzer
Beiträge: 377
Registriert: 03.05.2024, 12:36

Re: Quo vadis FC Basel? Ein düsterer Ausblick auf nächste Saison

Beitrag von Brunold81 »

schnischnaschneider hat geschrieben: 30.09.2026, 08:47
El Pibe - Valderrama hat geschrieben: 30.09.2026, 00:38 Vieles davon würde heute schlicht nicht mehr funktionieren, weil jede Aktion sofort gefilmt, geteilt und öffentlich diskutiert würde.

Das ist der mit Abstand wichtigste Punkt. Wenn du mit dem neusten iPhone im C5/6 hockst, kannst du mit Zoom locker scharfe Aufnahmen der Gesichter am Zaun machen. Die Konsequenz und Akzeptanz von „Handys aus dem Block“ ist eine Wohltat aber auch kein Allerheilmittel.
Das zieht sich durch viele Aspekte der Gesellschaft, dass aufgrund der omnipräsenten Kameras alles performativer wurde und „weniger echt“.
Kann man übrigens auch über die Torjubel sagen. Das ist doch kein Ausdruck von Freude, sondern reine Selbstdarstellung, wenn ich zum Kameramann renne um 3 Posen zu machen. Der Jubel von Rodriguez in der Nati gestern war wahre Freude. Gibt dann halt einfach kein tolles Bild für Insta. Gut so.

Bei den Heimspielen sehe ich da nicht mal die grosse Differenz, aber bei den Auswärtspielen hast du halt wirklich Kameras aus jedem Winkel, da der Staat dich filmt/fotografiert, aber auch mindestens hunderte Menschen in den Häusern oder den Strassen. Und wenn du schon nur eine Pyro zünden willst, kommst du um eine volle Vermummung nicht herum. Randale und alles andere hat so oder so extrem abgenommen, was früher noch als normale Scharmützel durchging, wäre heute eine wochenlange Kampagne mit dem Boulevard und den Hilfsheriffs auf den Strassen, die fleissig ihr Videomaterial einsenden.

El Pibe - Valderrama
Erfahrener Benutzer
Beiträge: 600
Registriert: 21.05.2018, 00:30

Re: Quo vadis FC Basel? Ein düsterer Ausblick auf nächste Saison

Beitrag von El Pibe - Valderrama »

Brunold81 hat geschrieben: 30.09.2026, 11:22
El Pibe - Valderrama hat geschrieben: 30.09.2026, 00:38
Schambbediss hat geschrieben: 29.09.2026, 22:46

Schaut euch nur mal wieder den Szene Basel 1 DVD an. Das war schon noch wilder, asozialer und krawalliger als heute.

Das ist klar so. Das hat aber auch mit der aktuellen Generation im Allgemeinen zu tun, die gewissermassen durch Social Media diszipliniert wurde. Diese Generation lebt gesünder, achtet stärker darauf, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, und versucht, den Dingen einen tieferen Sinn zu geben. Und ja: Verglichen mit damals ist sie sicher deutlich braver – und wenn man gemein sein will, vielleicht auch langweiliger. Dafür ist sie deutlich besser in der breiten Bevölkerung akzeptiert.

Für die meisten der Kurve vor 20–30 Jahren war „FCB fahren“ dagegen ein aufregendes Abenteuer – weitgehend ohne grosse Polizeibegleitung und ohne Handykameras, die alles dokumentierten. Aus heutiger Sicht muss man allerdings auch sagen: Es war teilweise extrem asozial, und es ging durchaus darum, echte Rebellen zu sein und sich da ohne Konsequenzen auszuleben.

Was damals passiert ist, würde heute wochenlange Zeitungsberichte auslösen. Damals war es teilweise nicht einmal eine Randnotiz wert.

Da war beispielsweise ein plündernder Basler Mob, der ohne Polizeibegleitung durch die Zürcher Bahnhofstrasse zog und sich unter lauten „Shopping, Shopping“-Rufen völlig schamlos in Edelboutiquen bediente. Oder man zündete aus Langeweile in Zürcher Trams Pyros, bis ein Tram ausbrannte.

Nach Meisterschaftsgewinnen gab es übelste Souvenirjagden, bei denen ganze Stadien verwüstet wurden . Unmittelbar danach wurden aus Langeweile ganze Zugabteile demoliert und teilweise versucht, sie abzubrennen (Thun)

Bei Auswärtsfahrten suchte man sich mangels Gegnern teilweise einfach neue Gegner. Ausländische Banden etwa in Luzern oder Schaffhausen, Linksextreme – inklusive Schlachten rund um die Reithalle bzw Sturm der Reithalle in Bern oder Schlachten mit besetzten Häuser in Zürich –, Raver beim Streetparade-Spiel oder halt die Polizei in Zürich, deren Posten nahe dem Hauptbahnhof mit Pyros angegriffen wurde.

Und dann gab es die Auswärtsfahrten lange vor den Extrazügen, als man noch mit Cars unterwegs war. Irgendwann war niemand mehr bereit, solche Cars zur Verfügung zu stellen, weil die Zwischenfälle einfach zu gravierend waren. Dazu gehörten über das Mikrofon verbreitete Aufforderungen, Raststätten zu plündern – etwa La Gruyère –, die komplette Zerstörungswut gegenüber dem Inventar der Busse und Aufforderungen an die Busfahrer, sie „bitte, bitte in den Tod zu fahren“.

Und solches Zeug passierte einfach jedes Wochenende. Die ganz normalen Schlägereien mit gegnerischen Fans sind da noch gar nicht eingerechnet. Ebenso wenig die regelmässigen Pyros, die aufs Spielfeld flogen – etwa in Luzern – oder die gezielt in gegnerische Blöcke geschossenen Stylos, beispielsweise in Lugano, Mailand oder Turin.

In der Zeit der Regelzüge (vor Aufkommen der Extrazüge), flogen an jeder Haltestelle x Bierflaschen auf die wartenden Passagiere, ganz Kreative haben in Kondome uriniert nur um an Haltestellen Wasserbomben zu haben. Jede Frau die einigermassen aussah wurde als Nymphomanin besungen (eine kleine Nymphomanin…) oder man man wollte direkt von ihr den rektalen Verkehr (wir wollen den Analverkehr)

Auch bei den Fangesängen war die Hemmschwelle eine andere. St. Galler waren pauschal „inzuchtgeschädigt“ („Eure Eltern sind Geschwister“), Zürcher pauschal Junkies („Platzspitz-Kanacken“), und jeder gegnerische Spieler war mindestens ein Arschloch, wenn nicht gleich ein Hurensohn. „World Trade Center“ war ein Partylied, und von Luzern wollte man eine spezielle U-Bahn bauen.

Wenn man das alles mit dem heutigen Kurve vergleicht, muss man deshalb schon sagen: Die Kurve von damals war in vielerlei Hinsicht eine völlig andere Welt. Sie war wilder, unkontrollierter und deutlich konfrontativer – aber eben auch deutlich weniger gesellschaftlich akzeptiert. Vieles davon würde heute schlicht nicht mehr funktionieren, weil jede Aktion sofort gefilmt, geteilt und öffentlich diskutiert würde.

Was viele auch vergessen, ist, dass vor ca. 20 Jahren noch andere Menschen den Ton in der Kurve angaben. Die Kurve war nicht wirklich unpolitisch, wie jetzt, und ich würde mal behaupten, dass man jetzt eher mehr Leute drin hat, die eine höhere Bildung haben, was auch immer das heissen mag, oder auch grössere Angst, das ganze Leben, welches man sich aufgebaut hat, für kleine Delikte zu riskieren.

hier noch ein kleiner Bericht aus 2007
https://www.srf.ch/play/tv/10-vor-10/vi ... bb31d49b81


Ohne das Ganze zu verharmlosen oder gar kleinzureden – schliesslich handelt es sich um eine Straftat.
Trotzdem denke ich, dass das bei der Mehrheit der Leute, die damals mitgesungen haben, im eigentlichen Sinne keine politische Motivation hatte. Solche Parolen wurden bewusst gewählt, um maximal zu provozieren, sich möglichst asozial zu benehmen und andere Leute zu schockieren. Die gleichen Leute liefen beispielsweise auch bei linksextremen Demonstrationen, etwa gegen den Irakkrieg, mit, um sich an den Ausschreitungen mit der Polizei zu beteiligen. Teilweise wurden sogar bewusst echte Skinheads durch die Gegend (Steinenvorstadt) gejagt.

Dass ausgerechnet eine Zugfahrt nach Luzern gefilmt wurde, war dabei natürlich maximal unglücklich. Die damalige Assoziation zwischen Luzern und Juden entstand meines Wissens aus einer alten Rivalität zwischen den Fangruppen: Die Luzerner sangen jeweils, dass Basel zu Deutschland gehöre, worauf die Basler mit «Luzern gehört zu Israel» antworteten. Israel war innerhalb der jüngeren Generation damals ähnlich umstritten bzw. unbeliebt, wie es teilweise auch heute der Fall ist. Das ging seinerzeit sogar so weit, dass bei Luzerner Auswärtsspielen grosse Palästina-Fahnen in der Kurve gehisst wurden – etwas, das man heute eher aus dem linksextremen Umfeld kennt.

Ich schreibe das alles nicht, um das Geschehene in irgendeiner Weise zu verharmlosen, sondern lediglich, um etwas Hintergrund zu geben und den damaligen Kontext zu erklären.

Worauf ich hinauswill: Bei einem grossen Teil der Beteiligten ging es meiner Einschätzung nach weniger um eine tatsächliche politische oder antisemitische Überzeugung, sondern vielmehr darum, maximal zu provozieren, zu schockieren und bewusst anzuecken. Das macht die verwendeten Parolen selbstverständlich nicht weniger problematisch oder strafbar

Benutzeravatar
Schambbediss
Erfahrener Benutzer
Beiträge: 14507
Registriert: 19.10.2015, 12:09

Re: Quo vadis FC Basel? Ein düsterer Ausblick auf nächste Saison

Beitrag von Schambbediss »

Vermisse die legendären Matchberichte aus dem Brüglinger Boten... :D
Hach war das geil und lustig damals.
Liebe diesen Humor.

Bam-Bam
Erfahrener Benutzer
Beiträge: 1283
Registriert: 29.03.2007, 17:09
Wohnort: Hinter dicken Klostermauern ...

Re: Quo vadis FC Basel? Ein düsterer Ausblick auf nächste Saison

Beitrag von Bam-Bam »

El Pibe - Valderrama hat geschrieben: 30.09.2026, 00:38
Schambbediss hat geschrieben: 29.09.2026, 22:46
Mariastein hat geschrieben: 29.09.2026, 21:38

Man merkt, dass du die Kurve vor 20-30 Jahren nicht kennst!

Schaut euch nur mal wieder den Szene Basel 1 DVD an. Das war schon noch wilder, asozialer und krawalliger als heute.

Das ist klar so. Das hat aber auch mit der aktuellen Generation im Allgemeinen zu tun, die gewissermassen durch Social Media diszipliniert wurde. Diese Generation lebt gesünder, achtet stärker darauf, auf der moralisch richtigen Seite zu stehen, und versucht, den Dingen einen tieferen Sinn zu geben. Und ja: Verglichen mit damals ist sie sicher deutlich braver – und wenn man gemein sein will, vielleicht auch langweiliger. Dafür ist sie deutlich besser in der breiten Bevölkerung akzeptiert.

Für die meisten der Kurve vor 20–30 Jahren war „FCB fahren“ dagegen ein aufregendes Abenteuer – weitgehend ohne grosse Polizeibegleitung und ohne Handykameras, die alles dokumentierten. Aus heutiger Sicht muss man allerdings auch sagen: Es war teilweise extrem asozial, und es ging durchaus darum, echte Rebellen zu sein und sich da ohne Konsequenzen auszuleben.

Was damals passiert ist, würde heute wochenlange Zeitungsberichte auslösen. Damals war es teilweise nicht einmal eine Randnotiz wert.

Da war beispielsweise ein plündernder Basler Mob, der ohne Polizeibegleitung durch die Zürcher Bahnhofstrasse zog und sich unter lauten „Shopping, Shopping“-Rufen völlig schamlos in Edelboutiquen bediente. Oder man zündete aus Langeweile in Zürcher Trams Pyros, bis ein Tram ausbrannte.

Nach Meisterschaftsgewinnen gab es übelste Souvenirjagden, bei denen ganze Stadien verwüstet wurden . Unmittelbar danach wurden aus Langeweile ganze Zugabteile demoliert und teilweise versucht, sie abzubrennen (Thun)

Bei Auswärtsfahrten suchte man sich mangels Gegnern teilweise einfach neue Gegner. Ausländische Banden etwa in Luzern oder Schaffhausen, Linksextreme – inklusive Schlachten rund um die Reithalle bzw Sturm der Reithalle in Bern oder Schlachten mit besetzten Häuser in Zürich –, Raver beim Streetparade-Spiel oder halt die Polizei in Zürich, deren Posten nahe dem Hauptbahnhof mit Pyros angegriffen wurde.

Und dann gab es die Auswärtsfahrten lange vor den Extrazügen, als man noch mit Cars unterwegs war. Irgendwann war niemand mehr bereit, solche Cars zur Verfügung zu stellen, weil die Zwischenfälle einfach zu gravierend waren. Dazu gehörten über das Mikrofon verbreitete Aufforderungen, Raststätten zu plündern – etwa La Gruyère –, die komplette Zerstörungswut gegenüber dem Inventar der Busse und Aufforderungen an die Busfahrer, sie „bitte, bitte in den Tod zu fahren“.

Und solches Zeug passierte einfach jedes Wochenende. Die ganz normalen Schlägereien mit gegnerischen Fans sind da noch gar nicht eingerechnet. Ebenso wenig die regelmässigen Pyros, die aufs Spielfeld flogen – etwa in Luzern – oder die gezielt in gegnerische Blöcke geschossenen Stylos, beispielsweise in Lugano, Mailand oder Turin.

In der Zeit der Regelzüge (vor Aufkommen der Extrazüge), flogen an jeder Haltestelle x Bierflaschen auf die wartenden Passagiere, ganz Kreative haben in Kondome uriniert nur um an Haltestellen Wasserbomben zu haben. Jede Frau die einigermassen aussah wurde als Nymphomanin besungen (eine kleine Nymphomanin…) oder man man wollte direkt von ihr den rektalen Verkehr (wir wollen den Analverkehr)

Auch bei den Fangesängen war die Hemmschwelle eine andere. St. Galler waren pauschal „inzuchtgeschädigt“ („Eure Eltern sind Geschwister“), Zürcher pauschal Junkies („Platzspitz-Kanacken“), und jeder gegnerische Spieler war mindestens ein Arschloch, wenn nicht gleich ein Hurensohn. „World Trade Center“ war ein Partylied, und von Luzern wollte man eine spezielle U-Bahn bauen.

Wenn man das alles mit dem heutigen Kurve vergleicht, muss man deshalb schon sagen: Die Kurve von damals war in vielerlei Hinsicht eine völlig andere Welt. Sie war wilder, unkontrollierter und deutlich konfrontativer – aber eben auch deutlich weniger gesellschaftlich akzeptiert. Vieles davon würde heute schlicht nicht mehr funktionieren, weil jede Aktion sofort gefilmt, geteilt und öffentlich diskutiert würde.

Jääää do chömme alti Erinnerige uf ... die eint oder ander Uswärtsfahrt isch scho happig gsy ...
Und s eint oder ander Lied hani indr Zwischezyyt wieder vergässe gha  :p

I würd mr halt au wünsche, dass es zwischedure wieder mol chli mehr "Konfrontation" würd geh, also nit näbem Platz, sondern Liedertechnisch. Hüt hani s gfühl, ischs immer s gliiche, egal was ufem Platz abgoht. Aber dä Zug isch vermuetlich abgfahre ;)

Und irgendwie bini froh, hani die alte Zyyte no dörfe erläbe, au wenn nit alles guet gsy isch was passiert isch.
Will nit wüsse, wieviel Tankstelle leergruumt worde sind ande Märsch.

Antworten