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Yann Sommer, warum sind Sie von Inter Mailand nach Brügge gewechselt?
Weil das Gesamtpaket hier stimmt. Nach drei Jahren in Mailand habe ich eine neue Herausforderung gesucht - und gefunden. Die Gespräche mit dem Sportchef und dem Trainer überzeugten mich. Der Club ist sehr ambitioniert und spielt in der Champions League. Bevor ich unterschrieb, habe ich mir einen Tag lang vor Ort alles angeschaut. Ich hatte sofort ein gutes Gefühl. Das gilt auch für den privaten Bereich.
Wie meinen Sie das?
Wir wohnen nun in Knokke, direkt am Meer, eine wunderbare Gegend. Auch zu unserer Basis in Düsseldorf-Köln, wo wir ein Haus besitzen, ist es nicht so weit. Es stimmt hier also auch für meine ganze Familie.
In Basel war die Hoffnung gross, dass Sie zum FCB zurückkehren. Warum hat das nicht geklappt?
Ich hatte eine wunderschöne Zeit beim FC Basel. Ich habe wirklich nur gute Erinnerungen an die Fans, das Stadion, an alles – und ich möchte das momentan so belassen.
Wie liefen die Verhandlungen mit dem FCB im Detail ab?
Der FCB gab mir zu verstehen, dass er mich gerne verpflichten würde, das hat mich natürlich gefreut.
Wie gross ist die Chance, dass Sie in zwei, drei Jahren nach Basel kommen?
Wer weiss schon, was in Zukunft sein wird? Ich lasse alles offen. Wenn ich zum FCB zurückkommen sollte, dann nur, wenn ich das Gefühl habe, dass ich dem Club sportlich noch etwas geben kann. Aber ich habe jetzt für drei Jahre in Brügge unterschrieben und konzentriere mich auf diese Aufgabe.
Halten Sie gute Kontakte nach Basel?
Das kann man sagen. Mein bester Freund, Simone Grippo, ist im Trainerstab des FCB. Er ist auch der Götti meiner Tochter. Ich habe auch immer wieder frühere Teamkollegen getroffen, das waren stets angenehme Momente. Spiele habe ich nicht viele gesehen. Ich wünsche dem FCB einfach, dass er wieder dorthin kommt, wo er lange war und wo er hingehört. In jedem Verein gibt es Phasen, wo es weniger gut läuft, das ist normal.
Was haben Sie bei Inter Mailand gelernt?
Ich habe einen neuen tollen Club, tolle Menschen, eine neue Stadt und eine Kultur kennen gelernt. Das hat mich weitergebracht. In einem derart grossen Club wie Inter spürt man viel Druck. Die Ansprüche an die Spieler sind hoch, jeder Zentimeter auf dem Rasen wird beurteilt. Man lernt, damit umzugehen. Konstanz ist extrem wichtig, aber eben auch herausfordernd. Wir haben in drei Jahren vier Titel gewonnen und sind bis in den Final der Champions League gekommen.
Mussten Sie Inter verlassen – oder wollten Sie?
Es war genau der richtige Moment für eine neue Herausforderung, so schön Mailand auch ist. Das ist wie ein Knopf, den man drückt – ein Neustart. Den habe ich in Brügge gefunden. Ich freue mich auf dieses Abenteuer.
In Italien wurde zweimal in Ihre Wohnung eingebrochen. Das war wohl weniger schön …
Stimmt, ganz am Anfang hatten wir zweimal ungebetene Gäste, das war unschön. Dann zogen wir um und hatten keine Probleme mehr.
Sie werden im Dezember 38 Jahre alt. Wie halten Sie Ihr Leistungsniveau?
Ich führe einen gesunden Lebensstil in Bezug auf Essen, Schlafen und Erholung. Dazu trainiere ich intensiv, immer öfter auch mit jüngeren Profis. Da muss ich mich richtig antreiben und manchmal neue Reizpunkte für meinen Körper setzen. Ich bin dankbar für meine Karriere, aber es braucht eben auch Energie, um das Level zu halten. Der mentale Aspekt ist enorm wichtig.
Jeder Grossclub in Europa bietet den Spielern eigene Psychologen an …
Stimmt, das war auch in Mailand so. Aber ich arbeite seit über zwanzig Jahren mit einem eigenen Mentalcoach zusammen (Christian Marcolli, die Red.), und das funktioniert ausgezeichnet. Solange ich mich gut fühle, will ich auch als Profi im Tor stehen. Das ist mein Ziel.
Haben Sie die WM-Spiele der Schweizer in den USA und Kanada verfolgt?
Ja, ich habe vor dem Bildschirm mitgefiebert. Das war spannend und ungewohnt. Ich muss sagen, ich vermisse die Jungs ein bisschen, die haben das super gemacht. Ohne die Gelb-Rote Karte gegen Breel Embolo wäre der Viertelfinal gegen Argentinien vielleicht noch gekippt. Wenn man sieht, wie die Schweiz jedes Mal abliefert, können wir stolz sein auf unsere Fussballnation.