Piraten
Verfasst: 07.04.2008, 19:33
Piraten schießen auf Milizen
Dramatische Situation am Horn von Afrika: Seeräuber, die eine französische Luxusyacht gekapert haben, haben das Feuer auf bewaffnete Milizionäre eröffnet. Bereits in der Nacht soll aus Frankreich eine Spezialtruppe nach Dschibuti geflogen worden sein - um die Geiseln im Notfall zu befreien.
Paris - Die Milizionäre hatten Augenzeugenberichten zufolge die Piraten daran hindern wollen, mit der gekaperten Yacht anzulegen. Daraufhin eröffneten diese das Feuer. Über den Zustand der Geiseln, die sich seit Freitag in der Gewalt der Piraten befinden, ist zur Stunde nichts bekannt.
Inzwischen wurde bekannt, dass ein Einsatzkommando der GIGN nach Dschibuti aufgebrochen ist. Die GIGN (Groupe du2019Intervention de la Gendarmerie Nationale) ist eine mit der deutschen GSG 9 vergleichbare Spezialeinheit der Gendarmerie. Sie wurde durch eine Geiselbefreiung im Februar 1976 bekannt, als Rebellen in Dschibuti einen Schulbus entführt hatten.
Die Elitetruppen seien in das Nachbarland Somalias gesendet worden, um Verhandlungen vor Ort "zu unterstützen", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums, Pascale Andreani. Seit die "Ponant" am Freitag im Indischen Ozean gekapert wurde, folgt ihr die französische Fregatte "Commandant Bouan": "Dies erlaubt es uns, das Schiff perfekt zu observieren und die Situation einzuschätzen", versicherte Verteidigungsminister Hervé Morin am Sonntag.
An Bord der 88 Meter langen und für 64 Passagiere ausgelegten Luxusyacht befindet sich derzeit die aus 22 Franzosen und zehn Ukrainern bestehende Besatzung. Ihnen geht es ersten Meldungen zufolge gut. Sie würden angemessen behandelt, hätten Frühstück bekommen und eine Dusche nehmen können, berichtete Radio France Internationale. Das Schiff liege derzeit südlich der autonomen Region Puntland vor Anker, hieß es.
"Lösegeld zahlen - und zwar sofort!"
Zwei Tage, nachdem die "Ponant" gekapert wurde, hatte die Regierung in Paris erstmals mit den Piraten gesprochen: "Wir haben Kontakt aufgenommen, die Sache könnte lange dauern", sagte Außenminister Bernard Kouchner im Radioprogramm France Inter. Man werde alles dafür tun, ein Blutvergießen zu vermeiden. Auf die Frage, ob Frankreich zur Zahlung eines Lösegeldes bereit wäre, sagte Kouchner: "Wir werden sehen."
Maryse Gilbert, Mutter einer der Geiseln an Bord, sagte dem Sender Europe 1, sie verstehe, dass der Außenminister sich nicht klar äußern wolle. "Dennoch, als Mutter habe ich Schwierigkeiten, dies gutzuheißen. Wenn wir ein Lösegeld zahlen sollen, dann muss das geregelt werden - und zwar sofort!"
Die Entführung der "Ponant" beschäftigt allerhöchste Kreise: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte sich im Pariser Elysée-Palast mit Kouchner sowie mit Premierminister François Fillon, Generalstabschef Jean-Louis Georgelon und einem Vertreter des Verteidigungsministeriums beraten.
Die "Ponant", ein Schiff der Reederei CMA CGM, war auf dem Weg in die ägyptische Hafenstadt Alexandria, um dort Passagiere nach Malta aufzunehmen. Die Region am Horn von Afrika wird seit langem von Piraten heimgesucht. Seit einigen Monaten hat sich die Situation allerdings derart besorgniserregend verschlechtert, dass viele Schifffahrtsunternehmen ihren Kapitänen dringend empfohlen haben, sich nicht weiter als 200 Seemeilen der somalischen Küste zu nähern.
Gut organisiert, schwer bewaffnet, kriegstauglich
modernen Piraten sind nach Mafia-Art organisiert und offenbar bestens ausgerüstet: "Die Männer sind für den Krieg ausgebildet. Sie sind schwer bewaffnet, häufig mit Maschinenpistolen und Raketenwerfern", zitiert der regionale Nachrichtendienst maville.com einen Meeressicherheitsexperten. Die Piraten verfügten über schnelle Kampfboote und seien mit modernsten Kommunikationsmitteln ausgestattet. "Eben deshalb sollte bei der Krisenintervention auf größte Diskretion gesetzt werden", so Laurent Galy aus Nantes.
Nach Angaben des Internationalen Meeresbüros (IMB) - einer Abteilung der Internationalen Handelskammer, die die Entwicklung der Piraterie weltweit verfolgt - stieg die Zahl der Überfälle von Seeräubern auf Schiffe im vergangenen Jahr auf 263 Attacken weltweit und damit um zehn Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Es war der erste Anstieg seit drei Jahren. Dabei habe die Gewalt gegen die Besatzungen spürbar zugenommen, hieß es vom IMB. Außer vor Somalia gibt es auch vor Nigeria häufig Piraten-Attacken. Betroffen sind meist Frachtschiffe.
jdl/ala/AFP/AP/Reuters
Dramatische Situation am Horn von Afrika: Seeräuber, die eine französische Luxusyacht gekapert haben, haben das Feuer auf bewaffnete Milizionäre eröffnet. Bereits in der Nacht soll aus Frankreich eine Spezialtruppe nach Dschibuti geflogen worden sein - um die Geiseln im Notfall zu befreien.
Paris - Die Milizionäre hatten Augenzeugenberichten zufolge die Piraten daran hindern wollen, mit der gekaperten Yacht anzulegen. Daraufhin eröffneten diese das Feuer. Über den Zustand der Geiseln, die sich seit Freitag in der Gewalt der Piraten befinden, ist zur Stunde nichts bekannt.
Inzwischen wurde bekannt, dass ein Einsatzkommando der GIGN nach Dschibuti aufgebrochen ist. Die GIGN (Groupe du2019Intervention de la Gendarmerie Nationale) ist eine mit der deutschen GSG 9 vergleichbare Spezialeinheit der Gendarmerie. Sie wurde durch eine Geiselbefreiung im Februar 1976 bekannt, als Rebellen in Dschibuti einen Schulbus entführt hatten.
Die Elitetruppen seien in das Nachbarland Somalias gesendet worden, um Verhandlungen vor Ort "zu unterstützen", sagte eine Sprecherin des Außenministeriums, Pascale Andreani. Seit die "Ponant" am Freitag im Indischen Ozean gekapert wurde, folgt ihr die französische Fregatte "Commandant Bouan": "Dies erlaubt es uns, das Schiff perfekt zu observieren und die Situation einzuschätzen", versicherte Verteidigungsminister Hervé Morin am Sonntag.
An Bord der 88 Meter langen und für 64 Passagiere ausgelegten Luxusyacht befindet sich derzeit die aus 22 Franzosen und zehn Ukrainern bestehende Besatzung. Ihnen geht es ersten Meldungen zufolge gut. Sie würden angemessen behandelt, hätten Frühstück bekommen und eine Dusche nehmen können, berichtete Radio France Internationale. Das Schiff liege derzeit südlich der autonomen Region Puntland vor Anker, hieß es.
"Lösegeld zahlen - und zwar sofort!"
Zwei Tage, nachdem die "Ponant" gekapert wurde, hatte die Regierung in Paris erstmals mit den Piraten gesprochen: "Wir haben Kontakt aufgenommen, die Sache könnte lange dauern", sagte Außenminister Bernard Kouchner im Radioprogramm France Inter. Man werde alles dafür tun, ein Blutvergießen zu vermeiden. Auf die Frage, ob Frankreich zur Zahlung eines Lösegeldes bereit wäre, sagte Kouchner: "Wir werden sehen."
Maryse Gilbert, Mutter einer der Geiseln an Bord, sagte dem Sender Europe 1, sie verstehe, dass der Außenminister sich nicht klar äußern wolle. "Dennoch, als Mutter habe ich Schwierigkeiten, dies gutzuheißen. Wenn wir ein Lösegeld zahlen sollen, dann muss das geregelt werden - und zwar sofort!"
Die Entführung der "Ponant" beschäftigt allerhöchste Kreise: Frankreichs Staatschef Nicolas Sarkozy hatte sich im Pariser Elysée-Palast mit Kouchner sowie mit Premierminister François Fillon, Generalstabschef Jean-Louis Georgelon und einem Vertreter des Verteidigungsministeriums beraten.
Die "Ponant", ein Schiff der Reederei CMA CGM, war auf dem Weg in die ägyptische Hafenstadt Alexandria, um dort Passagiere nach Malta aufzunehmen. Die Region am Horn von Afrika wird seit langem von Piraten heimgesucht. Seit einigen Monaten hat sich die Situation allerdings derart besorgniserregend verschlechtert, dass viele Schifffahrtsunternehmen ihren Kapitänen dringend empfohlen haben, sich nicht weiter als 200 Seemeilen der somalischen Küste zu nähern.
Gut organisiert, schwer bewaffnet, kriegstauglich
modernen Piraten sind nach Mafia-Art organisiert und offenbar bestens ausgerüstet: "Die Männer sind für den Krieg ausgebildet. Sie sind schwer bewaffnet, häufig mit Maschinenpistolen und Raketenwerfern", zitiert der regionale Nachrichtendienst maville.com einen Meeressicherheitsexperten. Die Piraten verfügten über schnelle Kampfboote und seien mit modernsten Kommunikationsmitteln ausgestattet. "Eben deshalb sollte bei der Krisenintervention auf größte Diskretion gesetzt werden", so Laurent Galy aus Nantes.
Nach Angaben des Internationalen Meeresbüros (IMB) - einer Abteilung der Internationalen Handelskammer, die die Entwicklung der Piraterie weltweit verfolgt - stieg die Zahl der Überfälle von Seeräubern auf Schiffe im vergangenen Jahr auf 263 Attacken weltweit und damit um zehn Prozent im Vergleich zum Jahr davor. Es war der erste Anstieg seit drei Jahren. Dabei habe die Gewalt gegen die Besatzungen spürbar zugenommen, hieß es vom IMB. Außer vor Somalia gibt es auch vor Nigeria häufig Piraten-Attacken. Betroffen sind meist Frachtschiffe.
jdl/ala/AFP/AP/Reuters
